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Nachdem nun
weitestgehend alle Wunden geheilt waren und ich ein Jahr lang ohne Hund
war, wünschte ich mir nichts sehnlicher, als einen neuen Freund an meiner
Seite.
Ich hatte ja zu diesem Zeitpunkt schon zwei Boxer gehabt und für mich
stand fest dass ich mir auf gar keinen Fall einen Boxer holen werden, weil
ich Angst hatte, ich würde zu sehr vergleichen.
Der Zufall brachte es mit sich, dass mich eine Bekannte anrief und mir von
einer Annonce in der Zeitung berichtete in der English Bulldog- Welpen
angeboten wurden. Ich rief spontan dort an. Die Frau erklärte mir, dass
sie vor einiger Zeit einen Wurf hatte und nun noch 2 Rüden übrig hätte.
Also verabredete ich mich für den nächsten Tag bei ihr zu Hause.
Als ich dort ankam, bot sich mir ein jämmerlicher Anblick. Die Welpen
waren zwar in einem guten Zustand, wurden allerdings nicht sehr gut dort
gehalten.
Mir tat besonders der Oscar (damals hatte er allerdings noch keinen Namen)
leid, weil er deformierte Vorderbeine hatte. Also habe ich ihn sofort
mitgenommen.
Zuhause angekommen war der Oscar erstmal sehr ängstlich, aber mit der Zeit
hat er sich super gut eingelebt.
Ich bin natürlich sofort mit ihm zum Tierarzt um ihn untersuchen zu
lassen. Es war soweit alles in Ordnung mit dem Oscar. Mein Tierarzt wies
mich allerdings auf einige Ungereimtheiten hin. Zum Beispiel hatte der
Oscar eine Tätowierung im Ohr und mein Tierarzt war der Meinung, dass es
sich um ein aussortiertes Zuchttier aus Polen handelt. Weitere Recherchen
Seiten meines Tierarztes ergaben, dass die Hündin der Besitzerin niemals
geworfen hatte. Der Schrecken meinerseits war natürlich groß, aber nichts
desto trotz wollte ich den Oscar nicht wieder hergeben.
Mein Tierarzt wies mich auch zusätzlich noch darauf hin, dass man die
deformierten Beine im Auge behalten müsse, da sie zwar im momentanen
Zeitpunkt sehr gut aussehen, aber sicherlich im Alter Sorgen bereiten
würden.
Der Oscar entwickelte sich prächtig und ist mir in kürzester Zeit sehr ans
Herz gewachsen, hatte er doch ein sehr einnehmendes Wesen, wenngleich er
doch sehr bulldoggentypisch stur und eigenwillig war. Aber gerade seine
Eigenarten brachten mich oft zum herzhaften Lachen, weil er gerade in
seiner Sturheit sehr ideenreich und lustig war. Ich habe ihn immer
gewähren lassen, da er in seiner Eigenheit doch ein sehr liebenswürdiges
Wesen hatte und nie Boshaftigkeit gegenüber Mensch oder Tier gezeigt hat.
Der Oscar war ein sehr lebensfroher Hund, der seine Zeit meistens spielend
im Garten verbracht hat. Er war völlig ballvernarrt und hat auch immer
sehr übermütig mit Artgenossen rumgetollt. Sein absolutes Highlight war
aber sein Bobby- Car, mit dem er stundenlang durch den Garten gerannt ist.
Ich hatte eine sehr schöne und unbeschwerte Zeit mit meinem Oscar und umso
heftiger traf mich die Erkenntnis, dass mit dem Oscar irgendwas nicht
stimmt.
Am 6. Februar 2006 fing der Oscar plötzlich an zu zittern, allerdings war
es nach ein paar Sekunden wieder vorüber. Ich rief trotzdem meinen
Tierarzt an und berichtete ihm davon. Er meinte, dass ich das weiterhin im
Auge behalten müsse und wenn die Symptome wieder auftreten, solle ich
lieber in die Praxis kommen.
Am 16. Februar 2006 hatte der Oscar einen sehr heftigen Anfall, bei dem er
sehr stark gekrampft hat und auch kurzzeitig das Bewusstsein verloren hat.
Hinterher war er völlig orientierungslos und verwirrt. Ich bin natürlich
sofort mit ihm in die Praxis gefahren und wir haben ein paar
Untersuchungen mit dem Oscar durchgeführt, die aber allesamt Ergebnislos
blieben. Es war soweit alles in Ordnung mit dem Oscar und man konnte
nichts feststellen. Der Tierarzt meinte, dass es sich höchstwahrscheinlich
um Epilepsie handelt und mir geraten vorsorglich ein Phenobarbital (Luminal)
zu verabreichen. Und tatsächlich blieben die Anfälle daraufhin erstmal
aus.
Es gab zwar zwischenzeitlich einige leichtere Anfälle, aber mit denen muss
man bei einer Epilepsie wohl leben. Selbst mit Medikamenten werden diese
Anfälle nicht verschwinden, sondern nur noch selten in abgeschwächter Form
auftreten. Nun gut, damit konnten wir leben.
Wir hatten nun lange Zeit Ruhe, aber in der Woche vom 17. – 23. April
häuften sich die Anfälle und ich war sehr erschrocken über die Heftigkeit
und Häufigkeit der Anfälle. Ich habe mir natürlich sofort Urlaub genommen
und nochmals komplett den Oscar untersuchen lassen. Der Tierarzt konnte
wieder nichts Anormales feststellen und hat uns zur Uni- Klinik Berlin
Düppel überwiesen. Am 27. April hatten wir dann einen Termin bei Dr.
Brunnberg und es wurden zahlreiche Untersuchungen mit dem Oscar
vorgenommen. Unter anderem wurde auch ein CT erstellt, welches völlig
niederschmettert ausgefallen ist. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass der
Oscar an einem Hydrocephalus (Wasserkopf) leidet und die Wasseransammlung
leider auch sehr groß ist.
Ich hatte nun insgesamt schon 5 Ärzte dazu gezogen und man riet mir,
Cortison zu verabreichen um die enorme Wasseransammlung eventuell in den
Griff zu bekommen. Allerdings waren auch alle Ärzte so ehrlich zu mir und
meinten, dass der Oscar damit auf keinen Fall alt werden würde, aber einen
Versuch wäre es alle male Wert.
Am 29. April hatte der Oscar abends plötzlich heftige Schmerzen und hat
geschrieen, so dass ich mit ihm zum Tierarzt gefahren bin. Dort hat er
schmerzstillende Mittel gespritzt bekommen und ein Antibiotika. Leider ist
es nicht besser geworden und ich bin ein paar Stunden später in die
Notklinik mit dem Oscar gefahren, aber auch dort konnte man nicht viel für
ihn tun. Also sind wir wieder nach Hause gefahren und haben versucht ein
wenig zu schlafen.
Der Morgen begann unverändert und Oscar litt furchtbare Schmerzen. Also
habe ich wieder den Oscar eingepackt und bin zum Tierarzt. Dort wurde mir
gesagt, dass man nur noch mit schmerzstillenden Mitteln versuchen kann,
ihm diese Schmerzen zu nehmen, dass das allerdings keine Heilung wäre,
sondern nur ein Aufschub.
Was soll ich noch schreiben??? Ich hab es doch schon längst gewusst…
Am 30. April 2006 um 11 Uhr ist der Oscar ganz friedlich in meinen Armen
eingeschlafen und als der Tierarzt sagte, dass jetzt so langsam sein Herz
aufhört zu schlagen, hat mein kleiner Held nochmal all seine Kraft
zusammen genommen und seinen Kopf an meine Schulter gelegt und mit seiner
süßen weichen Schnauze meine Wange gestupst... Seinen friedlichen Blick
dabei werde ich wohl nie vergessen...
Oscar ist nur 2 Jahre alt geworden... |